Agra Tag 3

Herrlich! Wir hatten heute Zeit! Haben ausgeschlafen, gefaulenzt, Postkarten geschrieben…Mittags haben wir uns eine Motor-Rikscha geschnappt, und die restlichen Sehenswürdigkeiten der Stadt abgegrast.

Unser Fahrer freute sich, mit uns das Geschäft des Tages gemacht zu haben. Er war einer von den Indern, die dauernd in die Gegend spucken. Wo nehmen die bloß die ganze Spucke her? Zuerst fuhren wir zu Akbars Mausoleum Sikandra. Akbar, der große Mogulherrscher und Großvater von Shah Jahan, hatte schon zu seinen Lebzeiten für sein eigenes Mausoleum gesorgt. Drei Etagen ließ er aus Sandstein bauen, eine vierte aus Marmor wurde auf Anordnung seines Sohnes obendrauf gesetzt. Sieht schon ein bisschen schräg aus! Am Eingang hatten wir sofort einen selbsternannten Guide an den Hacken, der uns seinen Ausweis vor die Nase hielt und anbot, uns durch das Mausoleum zu führen. Ein zweiter Guide gesellte sich dazu, erklärte, dass es sich beim ersten gar nicht um einen Guide sondern um einen garden-worker handele, und ließ uns zwischen sich und dem Garten-Arbeiter wählen. Wir entschieden uns gegen den Gärtner. Von dem Offiziellen wurden wir aufgeklärt, dass Mogul Akbar drei Frauen hatte, eine Muslima, eine Hinduistin und eine Christin, und so befanden sich schon beim reich verzierten Eingangstor Symbole der drei verschiedenen Religionen an den Mauern. Es folgte ein großer Garten, in dem sich Antilopen und andere Hirschtiere weideten. Im Mausoleum konnten wir ausprobieren, wie sich ohne Telefon, wenn man in über fünf Metern Entfernung in verschiedenen Ecken und voneinander abgewandt stand,  problemlos kommunizieren ließ. Die Akustik werde, so erzählte der Guide, unter anderem durch entsprechende Hohlräume unter dem Boden und eine ausgeklügelte Kuppelkonstruktion ermöglicht.


Weiter ging es in ‘ner Motor-Rikscha zu Rambaghs Gärten. Hier waren wir die einzigen Besucher dieses trostlos anmutenden Areals. Ein uniformierter, mit Bambusknüppel bewaffneter Parkwächter folgte uns auf Schritt und Tritt, und machte sich wichtig, indem er alle friedlich im Park schlummernden Menschen für uns zahlende Touris aufscheuchte. Wäre nun wirklich nicht nötig gewesen!

Unser nächstes Ziel war ein heruntergekommenes Mausoleum, das Chini-ka-Rauza. Dort saß wieder ein unterbeschäftigter, inoffizieller Museumsangestellter herum, der uns erklärte, dass dies das Grab eines Dichters und Ministers von Shah Jahan sei, das 1635 erbaut wurde und daneben ruhe der Architekt des Taj Mahal. Beide seien Perser gewesen, und das Grab sei erstmals und einzig in Agra mit bunten persischen Kacheln verziert worden. Den Glanz früherer Zeiten allerdings mussten wir uns einmal mehr vorstellen. Dieters Kamera hat allerdings mit einem lichtstarken Objektiv einiges rausgeholt, was unserem Anblick verborgen geblieben war.

Letzte Station war das im Volksmund Baby Taj genannte Bauwerk – richtiger Name Itimad-ud-Daulah – , das als Vorläufer des Taj Mahal gilt, und wo ein Erster Minister und Schwiegervater des Kaisers Jahangir ruht. Wie das Taj Mahal ist es ganz aus Marmor und mit bunten Einlegearbeiten verziert.

Nach den vielen Gebäuden, die wir heute begutachtet und in Erwägung gezogen hatten, waren Dieter und ich uns hier sofort einig: das nehmen wir!

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