Jaipur Tag 2

Heute volles Jaipur-Programm: Ajit fuhr uns nach dem Frühstück zum riesigen, elf Kilometer nördlich von Jaipur gelegenen Amber Fort. Dort gab es drei Möglichkeiten hinauf: mit dem Auto, auf einem Elefanten, zu Fuß. Wir entschieden uns zum Wandern. Die Mauer um das Fort und der Festungsgraben waren so gigantisch, dass wir dachten, wir stehen in China. Aber das mag daran liegen, dass wir die chinesische Mauer noch nicht gesehen haben. Die meisten Touris ließen sich von Elefanten hochbringen. Bevor Jai Singh 1727 Jaipur gründete, war Amber die Hauptstadt der Rajputen und die mit glitzernden Spiegelmosaiken verzierten Paläste, neben kunstvoll gestalteten Marmorzimmern, Toren und Säulen und dem Haremsbereich ließen sich hier wieder bestaunen.

Auf das nebenan gelegene Jaigarh Fort verzichteten wir. Es ging schon wieder auf 35 Grad zu. Wir ließen uns in Jaipurs “Rosarote Stadt” fahren, ins Zentrum, wo auch der von Jai Singh II. in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts erbaute Stadtpalast steht. Alle Häuser in diesem von einer Mauer umgebenen Stadtteil wurden zum Besuch des britischen Kronprinzen 1876 rosarot übermalt, um vorzutäuschen, sie seien aus qualitativ hochwertigem Sandstein. Daher “Pink City”. Außerdem gilt das Rosarot als Farbe der Gastlichkeit.

Heute bewohnen tatsächlich noch Nachfahren von Jai Singh einen Teil des Palastes. Im Gegensatz zum heruntergekommenen Ramnagar Fort bei Varanasi, wo ja auch noch so ein alter Maharadscha wohnte, war hier allerdings alles gepflegt und geputzt. Jai Singh II., der Namensgeber von Jaipur, muss ein ausgesprochen kluger Kopf gewesen sein. Er hat unter anderem physikalische Geräte zur Zeitmessung konstruiert, dIe wir später noch angeschaut haben.

Erst einmal fuhr uns Ajit zum Lunch ins schon seit 1727 bestehende, “LMB”- Restaurant (Laxmi Mishthan Bhandar), ein Must-Have-Seen von Jaipur. Okay, die Tür wurde uns von einem Herrn mit weißem Turban geöffnet, es wuselten viele Ober- und Unterkellner herum, das Essen war gut aber nicht außergewöhnlich. Wir würden unser Roof-Top-Restaurant von gestern Abend immer vorziehen. Aber hier gehen auch Inder essen. Nach dieser Pause in angenehm klimatisierten Räumen ging es zu Fuß weiter zu einem absoluten Highlight: zum Jantar Mantar, dem Observatorium von Jaipur. Dort gab es eine riesige Sonnenuhr, auf der die Zeit auf zwei Sekunden genau abzulesen ist! Echt unglaublich!

Und dazu deren Vorläufer und Uhren, auf denen man, wenn man denn die genaue Zeit seiner Geburt kennt, seinen Aszendenten, seinen Planeten und eine dominierende Charaktereigenschaft ablesen kann.

Unser Guide hat es uns vorgerechnet. Ich war tief beeindruckt, glaube allerdings, dass ich mich bei meiner genauen Geburtszeit geirrt haben musste: Ich bin doch nicht aggressiv! Dieter hat gelacht. Er ist mit seiner ungefähren Geburtszeit besser weggekommen: eine Bereicherung für seine Mitmenschen sei er, andersherum ausgedrückt: ein Klugscheißer!

Auch das Wahrzeichen von Jaipur, den Hawa Mahal (Palast der Winde) haben wir noch angeschaut. Ganz interessant zu erfahren, dass er gebaut wurde, damit die Palastfrauen die Prozessionen auf der Straße beobachten konnten, ohne selbst gesehen zu werden. Ob die Eine oder Andere wohl des Schreibens mächtig gewesen ist, und ihre Beobachtungen aufgeschrieben hat? Wohl eher nicht. Und wenn doch, wäre sie sicher von neidischen Frauen verraten worden, und ihr wären bestenfalls die Hände abgehackt worden. Heute gibt es Fenster in den kunstvollen Gittern. Frau darf nicht nur gucken sondern auch angeguckt und fotografiert werden.

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