Buenos Aires Tag 7

Heute war keine Schule mehr, sondern wieder ein Wochenende. Wir haben das U-Bahnfahren ausprobiert, zum Stadtteil Recoleta. War völlig unproblematisch, günstig – umgerechnet 50 Cent pro Ticket – nicht voll und reichlich klimatisiert – ich musste vorsichtig sein, meine Erkältung wollte einfach nicht weichen. Recoleta ist viel vornehmer als San Telmo, erinnert mit seinen Nobelhotels, Geschäften und den entsprechenden Preisen an Eppendorf. Eine kleine Pizza für 10 Euro war schon ganz schön heftig! Es fand gerade ein überschaubarer Flohmarkt mit ausgefallenem Kunsthandwerk auf der Plaza Intendente Alviar, auch “Plaza de Francia” genannt, statt. Man konnte, anders als in Indien, nur gucken und wurde nicht ständig zum Kaufen aufgefordert. Sehr angenehm!

Kaum waren wir im Museo Nacional de Bellas Artes, da ging das Licht aus, und alle Besucher wurden aufgefordert, schnellstmöglich nach draußen zu gehen. Das Museum wurde für zwei Stunden geschlossen. Merkwürdige Zwischenfälle geschehen hier! Wir schlenderten weiter, an schattenspendenden Parks mit riesigen, alten Bäumen vorbei, zum berühmten Friedhof von Recoleta. Dort liegt ein Mausoleum neben dem anderen, eines prunkvoller und teurer als das nächste. VIP-Gräber für die Ewigkeit. Es soll für die Einheimischen schwerer sein, eine Grabstelle auf diesem Friedhof zu ergattern, als eine Wohnung. Und Letzteres dürfte, ähnlich wie in Hamburg, schon so gut wie aussichtslos sein. Klar haben wir uns das Grab von Eva Perón angeschaut. Es war das einzige, wo wahrscheinlich immer eine Schar von Touristen davor steht. Verglichen mit den anderen Ruhestätten war es recht bescheiden, doch hingen ein paar frische Blumen an der Wand.

Wir brauchten eine Pause, schlürften einen frisch gepressten Orangensaft – zum Glück gibt es den auch hier an jeder Ecke – und machten uns erneut auf zum Kunstmuseum. Dabei stellten wir dann fest, dass wir das falsche Museum erwischt hatten. Eigentlich wollten wir in das für moderne Kunst, das uns von Jeff und Diane empfohlen worden war. Ärgerlich! Die alten Kunstwerke von Greco, Manet, Toulouse-Lautrec und vielen anderen interessierten uns nicht so, dazu brauchten wir nicht Buenos Aires. Es gab zwar auch eine Ausstellung über Erotik und Gewalt in der Kunst, eigentlich interessant, aber wir waren halt im falschen Museum. Wir sind zurück zum Hotel gefahren für einen ausgiebigen Mittagsschlaf. Abends wollten wir ursprünglich eine richtige Milonga (Tangoveranstaltung) besuchen. Das hatte uns Gíselle wärmstens ans Herz gelegt. Doch Dieter hatte keine Lust, mich krankes Huhn übers Parkett zu schieben, und wir entschieden uns dagegen. Wir fuhren stattdessen wieder U-Bahn – diesmal stieg fast an jeder Haltestelle ein Musiker ein und gab eine Darbietung seines Könnens. Anders als bei uns konnten die Künstler allerdings wirklich etwas und stiegen erst wieder aus, nachdem sie reichlich mit Applaus belohnt worden waren. Jeder gab ihnen Geld. Davon kann so mancher Porteño dann wohl wirklich leben. Später kamen auch Straßenverkäufer in den Waggon, legten uns Kaugummi, Buntstifte oder eine Anleitung zum Bestehen des Führerscheins auf den Schoß. Man konnte das jeweilige Produkt in Ruhe anschauen, dann wurde es wieder eingesammelt, wenn du es nicht kaufen wolltest. Andere Länder, andere Sitten.

Im Stadtteil Palermo, wo in einem Park laut Reiseführer am Wochenende immer öffentliche Tangoveranstaltungen stattfinden sollten, gab es heute stattdessen ein chinesisch-argentinisches Freundschaftsfest. Auf einer großen Bühne mit Leinwänden, so dass alle etwas sehen konnten, spielten argentinische Musiker, ein Sänger gab alles an Liebessehnsucht zum besten, was er bieten konnte, und – natürlich – wurde schließlich Tango getanzt. Zwei professionelle Paare zeigten, was Dieter und ich noch so alles lernen können, damit es gut aussieht. Uns war es zu voll hier.

Wir kamen am nächsten Park vorbei: Dort tanzte ein Dunkelhäutiger – vermutlich ein Kubaner – mit einer jungen und einer älteren Frau Salsa. Das war grandios! Vor allem sah man der älteren Frau an, wieviel Freude sie am Tanzen hatte. Sie konnte sich mindestens genauso gut zur Musik bewegen wie die junge Frau. Und der durchtrainierte Mann führte die beiden so locker zur Musik, dass man sofort Lust bekam, mitzutanzen.


Wir fuhren zurück nach San Telmo, mischten uns dort unter die vielen Leute auf der Straße, gerieten in einen Karnevalsumzug, kehrten noch in einer der unzähligen Bars ein und ließen wieder einen schönen und angenehm warmen Tag in dieser lebhaften Stadt ausklingen.