Von Puschkar über Chittorgarh nach Udaipur

Puschkar hat uns gut getan. Wir hatten Zeit, die Fotos in unseren Blog zu laden. Um 8:30 Uhr wartete Ajit, und es ging zu den Ruinen von Chittorgarh. Vom achten Jahrhundert bis 1568 war Chittorgarh die Hauptstadt des Mewar-Reiches. Dreimal wurde hier von der Bevölkerung ein Massensuizid begangen, weil sie sich den Moguln nicht ergeben wollten. Nach dem letzten Überfall von Akbar wurde Chittorgarh dann doch aufgegeben, und die Familie vom Herrscher Udai Singh zog nach Udaipur. Ein wunderbar erhaltener Siegesturm von 1440, der Vijay Stambh, mit filigranen Steinschnitzereien erinnerte an den hartnäckigen, langwährenden Widerstandsgeist der Hindus und konnte bestiegen werden. Dieter passte kaum durch die engen Aufgänge (ich mit meinem Hut auch nicht!). Und als uns eine indische Familie auf einer kleinen Ausweichstelle überholte, passierte das Unausweichliche: Sie waren von unserem Anblick so fasziniert, dass sie einer nach dem anderen vergaßen, ihre Köpfe einzuziehen und sich an den steinernen Decken stießen. Meine Warnung kam jedes Mal zu spät. Als Entschädigung gab es oben dann Fotos satt. Im Samiddhesvara-Tempel vor dem Schrein mit dreiköpfigem Vishnu- Brahma-Shiva-Bild saß wieder eine Frau, die uns segnen wollte – Spenden immer gern gesehen. Wir wollten nicht. Draußen gab es eine Inkarnation Vishnus als Eber. Nur den Schrein der Poetin, der hier laut Reiseführer stehen sollte – ein Hinweis auf schreibende Frauen im Mittelalter – habe ich nicht gefunden. Um 15 Uhr fuhr uns Ajit nach Chittorgarh City zu einem guten Lunch-Restaurant.

Die Autofahrt bis Udaipur war ziemlich ermüdend und kam mir lang vor. Immer Autobahn. Für europäische Indienanfänger ist das natürlich immer noch wie Achterbahn fahren, wir konnten inzwischen schlafen. Um 18 Uhr waren wir in unserem Hotel in Udaipur. Wau! Wir hatten wieder Glück. Weil sie alle Seeblick-Standardzimmer, was wir gebucht hatten, anderweitig vergeben hatten, bekamen wir die Dreibettsuite auf dem Dach mit privater Roof-Top-Terrasse und völlig neu renoviert!  Stark! Erst gegen 21:00 Uhr sind wir ins Hotel-Restaurant – natürlich auch auf dem Dach – und haben uns wie im Märchenland gefühlt: Ein glitzernder See lag dort unten, umgeben von lauter erleuchteten, ehemaligen Maharadscha-Palästen. Angenehme, jazzig-indische Musik dazu: Eine Atmosphäre zum Träumen.

Von Jaipur nach Puschkar


Tschüß, Haveli, tschüß Jaipur! Zum ersten Mal hatte das Bezahlen mit der Visa Karte geklappt. Um halb neun ging es los in Richtung Puschkar. Immer geradeaus, auf einer schnurgeraden, sechsspurigen Autobahn, durch eher trostloses, weites Land, ab und zu schmuddelige Dörfer am Rand, natürlich immer wieder ein paar Kühe als Verkehrsteilnehmer… Zeit zum Spiegel-Lesen. Mir hat die Kurbjuweit-Kolumne zum Print-Journalismus gefallen: Gute Geschichten, gut geschrieben, brauchen Zeit! Nach zwei Stunden fuhren wir durch “Marble-City”. Mehrere Kilometer lang nichts als Marmor-Verarbeitung. Ob man sich so ‘nen Marmorblock wohl auch schon “for a good prize” vor die Haustür liefern lassen kann? Gegen elf Uhr kamen wir in unserem Maharadscha-Palast in Puschkar an.


Ein Traum: direkt am Puschkar-See gelegen. Einmal wollten wir uns das gönnen. Für eine Übernachtung 80 Euro, ist ja für europäische Verhältnisse nicht viel. Es dürfte unsere teuerste Pension bleiben. Der Legende nach hat der Hindu-Gott Brahma an dieser Stelle ein Lotusblatt fallen lassen, woraufhin der See am Rande einer Wüstengegend entstanden ist. Dann wurde auch noch eine Versammlung aller Götter hier abgehalten, weil es Unstimmigkeiten bei der Hochzeit von Brahma gab, der zu einem ganz bestimmten, astrologisch berechneten Zeitpunkt Savitri heiraten wollte. Savitri war aber so mit Garderobe und Kosmetik beschäftigt, dass sie nicht rechtzeitig eintraf. Da hatte Brahma schon das einzig unverheiratete Mädchen der Region zur Frau genommen. Das vergrätzte Savitri verständlicher Weise. Der Götterrat gestand ihr daraufhin einen eigenen Tempel auf dem höchsten Berg der Umgebung zu. Die Zweitfrau, Gayitri, bekam einen eigenen Tempel auf einem niedrigeren Berg zugesprochen, und Pilger müssen zuerst Savitris und dann Gayitris Haus besuchen. Die Tempel im Ort hatten wir schnell abgegrast.

Am See gab es wieder verschiedene Ghats. Aufgrund der Göttergeschichte ist es ein hochheiliger See. Ghandis und Nehrus Asche wurde hier verstreut, und natürlich reinigen sich gläubige Hindus in der Brühe, neben Affen und Kühen. Trotz der Warnungen unseres Fahrers und unseres Reiseführers sind wir unbehelligt von lästigen Spendeneintreibern an den Ghats spazieren gegangen und haben das uns so fremde, selbstverständliche und enge Miteinander von Tier und Mensch beobachten können.

Zum Lunch waren wir im Hardrock-Cafe. Dort konnten wir das kleinstädtische Treiben von der Dachterrasse aus genießen. Das Café wird von einem Inder mexikanischen Ursprungs betrieben, der sich freundlich zu uns setzte und uns für heute Abend zur Jam-Session einlud. So beschaulich hatten wir Indien noch nicht erlebt! Selbst auf der langen Bazarstraße konnten wir uns zum ersten Mal in Ruhe ein paar Dinge anschauen. Shoppen kann Spaß machen! Hab’ mir in Erinnerung an alte Zeiten gleich’ ne indische Walla-Walla-Bluse gekauft, nichts Aufregendes, aber immer in den gleichen T-Shirts, das musste jetzt mal aufhören!

Wir haben den See einmal umrundet und sind im Sunset Restaurant hängengeblieben, gleich hinter unserm Luxus-Hotel, aber auch mit Seeblick. Vor unserer Nase trommelte Einer und gab somit ein Gratiskonzert. “Good prize” für exzellente Darbietung. Vorher lief Bob Marley. Echt relaxt hier!

Jaipur Tag 2

Heute volles Jaipur-Programm: Ajit fuhr uns nach dem Frühstück zum riesigen, elf Kilometer nördlich von Jaipur gelegenen Amber Fort. Dort gab es drei Möglichkeiten hinauf: mit dem Auto, auf einem Elefanten, zu Fuß. Wir entschieden uns zum Wandern. Die Mauer um das Fort und der Festungsgraben waren so gigantisch, dass wir dachten, wir stehen in China. Aber das mag daran liegen, dass wir die chinesische Mauer noch nicht gesehen haben. Die meisten Touris ließen sich von Elefanten hochbringen. Bevor Jai Singh 1727 Jaipur gründete, war Amber die Hauptstadt der Rajputen und die mit glitzernden Spiegelmosaiken verzierten Paläste, neben kunstvoll gestalteten Marmorzimmern, Toren und Säulen und dem Haremsbereich ließen sich hier wieder bestaunen.

Auf das nebenan gelegene Jaigarh Fort verzichteten wir. Es ging schon wieder auf 35 Grad zu. Wir ließen uns in Jaipurs “Rosarote Stadt” fahren, ins Zentrum, wo auch der von Jai Singh II. in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts erbaute Stadtpalast steht. Alle Häuser in diesem von einer Mauer umgebenen Stadtteil wurden zum Besuch des britischen Kronprinzen 1876 rosarot übermalt, um vorzutäuschen, sie seien aus qualitativ hochwertigem Sandstein. Daher “Pink City”. Außerdem gilt das Rosarot als Farbe der Gastlichkeit.

Heute bewohnen tatsächlich noch Nachfahren von Jai Singh einen Teil des Palastes. Im Gegensatz zum heruntergekommenen Ramnagar Fort bei Varanasi, wo ja auch noch so ein alter Maharadscha wohnte, war hier allerdings alles gepflegt und geputzt. Jai Singh II., der Namensgeber von Jaipur, muss ein ausgesprochen kluger Kopf gewesen sein. Er hat unter anderem physikalische Geräte zur Zeitmessung konstruiert, dIe wir später noch angeschaut haben.

Erst einmal fuhr uns Ajit zum Lunch ins schon seit 1727 bestehende, “LMB”- Restaurant (Laxmi Mishthan Bhandar), ein Must-Have-Seen von Jaipur. Okay, die Tür wurde uns von einem Herrn mit weißem Turban geöffnet, es wuselten viele Ober- und Unterkellner herum, das Essen war gut aber nicht außergewöhnlich. Wir würden unser Roof-Top-Restaurant von gestern Abend immer vorziehen. Aber hier gehen auch Inder essen. Nach dieser Pause in angenehm klimatisierten Räumen ging es zu Fuß weiter zu einem absoluten Highlight: zum Jantar Mantar, dem Observatorium von Jaipur. Dort gab es eine riesige Sonnenuhr, auf der die Zeit auf zwei Sekunden genau abzulesen ist! Echt unglaublich!

Und dazu deren Vorläufer und Uhren, auf denen man, wenn man denn die genaue Zeit seiner Geburt kennt, seinen Aszendenten, seinen Planeten und eine dominierende Charaktereigenschaft ablesen kann.

Unser Guide hat es uns vorgerechnet. Ich war tief beeindruckt, glaube allerdings, dass ich mich bei meiner genauen Geburtszeit geirrt haben musste: Ich bin doch nicht aggressiv! Dieter hat gelacht. Er ist mit seiner ungefähren Geburtszeit besser weggekommen: eine Bereicherung für seine Mitmenschen sei er, andersherum ausgedrückt: ein Klugscheißer!

Auch das Wahrzeichen von Jaipur, den Hawa Mahal (Palast der Winde) haben wir noch angeschaut. Ganz interessant zu erfahren, dass er gebaut wurde, damit die Palastfrauen die Prozessionen auf der Straße beobachten konnten, ohne selbst gesehen zu werden. Ob die Eine oder Andere wohl des Schreibens mächtig gewesen ist, und ihre Beobachtungen aufgeschrieben hat? Wohl eher nicht. Und wenn doch, wäre sie sicher von neidischen Frauen verraten worden, und ihr wären bestenfalls die Hände abgehackt worden. Heute gibt es Fenster in den kunstvollen Gittern. Frau darf nicht nur gucken sondern auch angeguckt und fotografiert werden.

Von Agra über Fatehpur Sikri nach Jaipur

Bis auf dass wir es hier in Indien noch nicht geschafft haben, wie geplant, mit unserer Visa Karte zu bezahlen, hat alles prima geklappt. Gegen zehn Uhr stand unser von Deutschland aus organisierter Fuhrunternehmer, Ashoks Taxi Tours, vorm Hotel, und wir warteten zusammen im Frühstücksraum auf seinen Fahrer. Der Herr über inzwischen zwölf Mitarbeiter gab uns kurze Handlungsanweisungen, dass wir bei allen Besichtigungen nicht auf falsche Guides hereinfallen sollten, uns nicht in irgendwelche Emporiums schleppen lassen sollten…Gebont! Seine Kunden stammten meist aus Deutschland, und er hätte dort seinen deutschen Webdesigner sitzen, der ihm für umme seine Homepage gestalte. Er sei ein Hindu-Brahmane, sollte wohl heißen, höchstangesehenen Ursprungs, sollte wohl den Wert seiner Dienstleistungen für uns erhöhen. Auf Nachfrage erzählte er, dass er drei Kinder habe und schon vier Enkelkinder. Nur eine Hochzeit müsse noch arrangiert werden. Nächstes Jahr sei es wohl soweit. Ich habe ihm erzählt, dass unsere Kinder solche Arrangements nicht akzeptieren würden. Er lachte und meinte, hier in Indien sei es aber so. Ajit, sein Fahrer kam. Auf der Kühlerhaube des mindestens acht Jahre alten Tatas, gut sichtbar für alle umstehenden Rikscha-Fahrer und Imbissverkäufer, wurde unsere Anzahlung abgezählt und noch einmal gezählt. Alles stimmte.

Dann bekam Ajit einen Teil und los ging’s.Nach Fatehpur Sikri, Großmogul Akbars einstigem Machtzentrum im 16. Jahrhundert, etwa 40 Kilometer westlich von Agra. Akbar war der, der versuchte, Menschen verschiedener Religionen unter einen Hut zu bringen und als tolerante Geste drei Frauen verschiedenen Glaubens heiratete. Ein indischer “Nathan, der Weise”. Wie Kletten versuchten sich in Fatehpur die Guides und Händler an die Touris zu heften. Wir waren gewarnt und abwehrbereit. Dachte ich. Doch als ein kleiner, gewiefter Zehnjähriger, Raoul, nicht von meiner Seite wich und mir die ganzen Stories von Akbar und den Kachelmustern, und den Haremshäusern, und dem Mausoleum von Sheikh Salim Chrishti sowieso einem Elefantengrab, von dem ich selbst im Reiseführer noch nichts gelesen hatte, in bestem Englisch erzählte, war ich tief beeindruckt und zückte in Gedanken schon meine Rupienscheine. Ich mochte den Kleinen. Das merkte er und führte mich irgendwann zielstrebig zum Verkaufsstand seines Onkels. Ja, ich habe ihm was abgekauft, und obwohl ich nur ein Drittel des zuerst geforderten Preises für den Löcherelefanten bezahlt habe, war das kleine Souvenir 100-prozentig selbst davon weniger als ein Drittel wert! Shame on me! Beim Feilschen bin ich immer noch eine Niete. Hoffentlich hat Raoul wenigstens ein Trinkgeld von seinem Onkel bekommen!

Gegen drei Uhr fragte Ajit uns, ob wir eine Pause machen wollten. Wir wollten nicht, aber er war hungrig. Er warnte uns, dass wir nichts kaufen sollten, weil es für Touris hier äußerst teuer sei, aber wir könnten uns ja ins Auto setzen. Nach dem Genuss einer in der Tat völlig überteuerten Cola warteten wir zehn Minuten auf ihn, was Dieter nicht akzeptieren wollte: das hätte es bei Lal nicht gegeben! Wir wollten vorgeben, wann wir Pause machen, und wir wollten nicht auf ihn warten müssen. Es stellte sich als ein Missverständnis heraus: Der arme Kerl war heute Morgen um vier Uhr aus Delhi gekommen und hatte einfach Hunger. Gut, dass wir mal drüber gesprochen hatten! Etwa 95 Kilometer vor Jaipur entfernt machte Ajit einen Abstecher zum Chand Baori, einem riesigen im 8. Jahrhundert angelegten Wasserbecken, zu dem man über zahllose Steinstufen hinabsteigen konnte. Bei großer Dürre und Hitze kamen die Menschen aus dem Dorf hier im neunten Jahrhundert zusammen, denn unten war es fünf bis sechs Grad kühler als oben. Daneben gab es eine Tempelruine. Einzelne Säulen- und Altarreste daraus – kunstvolle Steinmetzarbeiten – wurden rings um die Anlage herum ausgestellt.

Um halb sechs kamen wir in einem schönen Haveli in Jaipur an. Es war die ganze Zeit auf einer vierspurigen asphaltierten Straße immer geradeaus gegangen. Lal hätte sich gefreut. Und Jaipur ist die erste, richtig moderne, indische Stadt, in der wir sind. Klar, es gibt auch Kühe und Arme, die in Slums und auf der Straße schlafen, aber es gibt eine Menge Geschäfte, die hinter Glas sind und richtige Einkaufszentren. Wir würden auf den ersten Blick nicht erkennen, dass wir uns in Indien befinden. Wir haben uns zum Abendessen von einem Rikscha-Fahrer gleich zu dem vielleicht schönsten Roof-Top-Restaurant der Stadt fahren lassen. Den Tipp hatten wir aus dem Reiseführer. Ein Volltreffer!

Agra Tag 3

Herrlich! Wir hatten heute Zeit! Haben ausgeschlafen, gefaulenzt, Postkarten geschrieben…Mittags haben wir uns eine Motor-Rikscha geschnappt, und die restlichen Sehenswürdigkeiten der Stadt abgegrast.

Unser Fahrer freute sich, mit uns das Geschäft des Tages gemacht zu haben. Er war einer von den Indern, die dauernd in die Gegend spucken. Wo nehmen die bloß die ganze Spucke her? Zuerst fuhren wir zu Akbars Mausoleum Sikandra. Akbar, der große Mogulherrscher und Großvater von Shah Jahan, hatte schon zu seinen Lebzeiten für sein eigenes Mausoleum gesorgt. Drei Etagen ließ er aus Sandstein bauen, eine vierte aus Marmor wurde auf Anordnung seines Sohnes obendrauf gesetzt. Sieht schon ein bisschen schräg aus! Am Eingang hatten wir sofort einen selbsternannten Guide an den Hacken, der uns seinen Ausweis vor die Nase hielt und anbot, uns durch das Mausoleum zu führen. Ein zweiter Guide gesellte sich dazu, erklärte, dass es sich beim ersten gar nicht um einen Guide sondern um einen garden-worker handele, und ließ uns zwischen sich und dem Garten-Arbeiter wählen. Wir entschieden uns gegen den Gärtner. Von dem Offiziellen wurden wir aufgeklärt, dass Mogul Akbar drei Frauen hatte, eine Muslima, eine Hinduistin und eine Christin, und so befanden sich schon beim reich verzierten Eingangstor Symbole der drei verschiedenen Religionen an den Mauern. Es folgte ein großer Garten, in dem sich Antilopen und andere Hirschtiere weideten. Im Mausoleum konnten wir ausprobieren, wie sich ohne Telefon, wenn man in über fünf Metern Entfernung in verschiedenen Ecken und voneinander abgewandt stand,  problemlos kommunizieren ließ. Die Akustik werde, so erzählte der Guide, unter anderem durch entsprechende Hohlräume unter dem Boden und eine ausgeklügelte Kuppelkonstruktion ermöglicht.


Weiter ging es in ‘ner Motor-Rikscha zu Rambaghs Gärten. Hier waren wir die einzigen Besucher dieses trostlos anmutenden Areals. Ein uniformierter, mit Bambusknüppel bewaffneter Parkwächter folgte uns auf Schritt und Tritt, und machte sich wichtig, indem er alle friedlich im Park schlummernden Menschen für uns zahlende Touris aufscheuchte. Wäre nun wirklich nicht nötig gewesen!

Unser nächstes Ziel war ein heruntergekommenes Mausoleum, das Chini-ka-Rauza. Dort saß wieder ein unterbeschäftigter, inoffizieller Museumsangestellter herum, der uns erklärte, dass dies das Grab eines Dichters und Ministers von Shah Jahan sei, das 1635 erbaut wurde und daneben ruhe der Architekt des Taj Mahal. Beide seien Perser gewesen, und das Grab sei erstmals und einzig in Agra mit bunten persischen Kacheln verziert worden. Den Glanz früherer Zeiten allerdings mussten wir uns einmal mehr vorstellen. Dieters Kamera hat allerdings mit einem lichtstarken Objektiv einiges rausgeholt, was unserem Anblick verborgen geblieben war.

Letzte Station war das im Volksmund Baby Taj genannte Bauwerk – richtiger Name Itimad-ud-Daulah – , das als Vorläufer des Taj Mahal gilt, und wo ein Erster Minister und Schwiegervater des Kaisers Jahangir ruht. Wie das Taj Mahal ist es ganz aus Marmor und mit bunten Einlegearbeiten verziert.

Nach den vielen Gebäuden, die wir heute begutachtet und in Erwägung gezogen hatten, waren Dieter und ich uns hier sofort einig: das nehmen wir!