Foz do Iguaçu Tag 2

Von unserem Hotel zu den Wasserfällen auf der brasilianischen Seite war es nicht weit. Wir nahmen wieder den preisgünstigen öffentlichen Bus – es befanden sich mehrere schlafende Schulkinder darin – und nach 15 Minuten waren wir am Eingang des Nationalparks. Um viertel nach acht morgens waren wir die ersten. Die Kasse wurde erst um neun aufgemacht. Aber dann: saßen wir oben im Doppeldeckerbus, vorn, und los ging es durch den Dschungel zu optimalen Wasserfall-Aussichtspunkten. Anders als auf der argentinischen Seite gab es hier keine Gitterstege, auf denen man einzig laufen konnte, sondern richtige Wanderwege. Und dann kamen die ersten Plattformen. Das war einfach überwältigend! Die Sonne stand zwischen Ost-Nord und schien auf die Wasserfälle, dass sich die schönsten Regenbögen bildeten. Der Anblick war noch atemberaubender als von drüben, von der argentinischen Seite.

Und Brasilien hatte sich eindeutig mehr Angenehmlichkeiten für seine Nationalparkgäste einfallen lassen: es gab viel mehr Bänke zum Ausruhen und Genießen und Restaurants mit Blick auf den Fluss. Wir fuhren in einem Fahrstuhl noch drei Etagen höher und hatten einen traumhaften Überblick über die Cataratas bei herrlichem Sonnenwetter. Wieder gab es zahlreiche Nasenbären. Aber noch imposanter waren die vielen Schmetterlinge in den schönsten Farben und Mustern, die sich besonders gern auf Dieters Arm niederließen. Dieter ist hier zum Schmetterlingsfan geworden.

Auch auf dieser Seite gibt es ein Hotel mitten im Nationalpark. Es bietet zwar nicht eine ganz so spektakuläre Aussicht auf die Wasserfälle wie das Sheraton drüben, aber dafür hat man sich beim Bau des Hauses 1958 sehr viel mehr Mühe gegeben: es wurde im Stil der Kolonialzeit gebaut und eingerichtet. Und das Beste: jeder durfte rein und war willkommen, wurde genauso behandelt, wie die geldschweren Hausgäste, wenn es sie denn gab. Wir ließen uns am schön angelegten Pool nieder, aßen etwas zu Mittag, und – ich fühle förmlich den Neid unserer Leser – alle zehn Minuten kam ein Kellner vorbei, brachte uns ein eisgekühltes Erfrischungstuch, ein Früchtestäbchen oder einen Minicocktail … umsonst. Wir konnten es nicht glauben. Wir blieben mindestens zwei Stunden, ließen unsere Füße in den Pool baumeln – hätten wir doch Badesachen eingepackt! – und uns verwöhnen.

Wir ließen es uns so gut gehen, dass wir zu einer neun Kilometer langen Dschungelwanderung, die wir anvisiert hatten, zu spät kamen. Ärgerlich! Wir machten stattdessen einen kleineren, zwei Kilometer langen Spaziergang – auch hier nur mit Führer – zum Fluss. Wir setzten uns auf den Ponton im Río Iguaçu, erfreuten uns noch einmal an den zahlreichen Schmetterlingen, die wieder hauptsächlich zu Dieter flogen – Bienen bevorzugten mich – bis es mir zu viel wurde, und hinten rauschte das Wasser die Felsen hinab.


Zwei deutsche Studentinnen aus Hamburg waren inzwischen auch zu diesem lauschigen Plätzchen gebracht worden. Sowas! Sie waren die einzigen Deutschen, die wir bisher auf unserer Reise getroffen hatten. Gegen 18 Uhr traten wir mit ihnen gemeinsam den wieder von einem Guide begleiteten Rückweg an. Unser Dschungelführer hatte es eilig. Er wollte um 19 Uhr im College sein, zu seinem Psychologie-Seminar. Er staunte nicht schlecht, als er hörte, dass Kimi gerade ihre Masterarbeit abgegeben hatte. Abends machten wir uns zum zweiten Mal auf nach Foz do Iguaçu. Dieter hatte im Reiseführer ein urgemütliches, originelles italienisches Lokal entdeckt, wo wir uns Pizza und Pasta schmecken ließen.

Ein wunderbarer Urlaubstag ging zuende.