Von San Carlos de Bariloche nach San Martín de los Andes. Tag 1

Auf ging es nach San Martín de los Andes. Aber natürlich nahmen wir nicht einfach die schnellste Verbindung, sondern die landschaftlich beeindruckendere. Zwei Stunden lang ging es eine staubige Schotterpiste entlang, zwischen bizarren Felsformationen hindurch, durch karges, menschenleeres Land. Rast machten wir in La Villa Traful.

:-P

Die Sonne schien, es wehte aber ein kühler Wind, so dass wir unsere Pullover anbehalten mussten. In der schönen Hütte, die unten mit Steinen und oben mit Holz gebaut war und sehr an Almhütten nur mit hellem Holz erinnerte, gesellte sich Federico, der Koch, zu uns. Es wurde wieder schnell klar, dass er besser Deutsch sprechen konnte als wir Spanisch.

Zu unserem Trost erfuhren wir, dass seine Großeltern aus Deutschland kamen, und, was für ein Zufall, sein Opa noch dazu aus Hamburg. Federico erzählte, dass er im Sommer hier für zwei Monate als Koch jobben würde, im März noch ein wenig wandern gehe, und dann zurück nach Buenos Aires müsse, wo er sein Studium als medizinisch-technischer Laborant zu Ende bringen müsse. Zwischendurch arbeite er auch als Schauspieler, und er hoffe, als nächstes in einer Produktion von Les Miserables mitmachen zu können. Obwohl er gut Deutsch sprechen konnte, habe er es bisher noch nicht geschafft, mal nach Deutschland zu reisen, aber sehen würde er es gern mal, das Land seiner Großeltern. Natürlich luden wir ihn zu uns ein. Ob er wohl kommt? Gegen 18 Uhr und einer kleinen Pause am Lago Hermoso kamen wir ohne Panne aber völlig eingestaubt in San Martín de los Andes an.

Es soll sich bei diesem Örtchen um eine Art Sankt Moritz von Argentinien handeln. Zumindest was die Übernachtungspreise angeht, könnte das stimmen. Wir waren noch nie in Sankt Moritz. Wir hatten uns diesmal gegen eine Jugendherberge entschieden. Beim ersten Rundgang kamen wir an der zentralen Plaza vorbei. Es fand gerade eine Demo statt, die argentinische Flagge war auf Halbmast. Zuerst dachten wir, es würde wieder eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Militärdiktatur sein. Die Menschenmenge sang andächtig und traurig ein Lied, das wir leider nicht verstanden. Später, im Restaurant, lief der Fernseher. Wir sahen, wie am heutigen Tag Hunderttausende auf der Plaza de Mayo, wo wir selbst noch vor drei Tagen gestanden hatten, demonstrierten. Sie forderten Aufklärung und Gerechtigkeit im Fall des vor kurzem zu Tode gekommenen Bundesstaatsanwalts Alberto Nisman. Der hatte eine Anklage gegen die argentinische Präsidentin, Cristina Kirchner, wegen Strafvereitelung im Amt vorbereitet. Er starb einen Tag, bevor er seine Anklagepunkte im Kongress darlegen wollte. Argentinien ist in Aufruhr, und das Volk, jung und alt, verlangt Transparenz. Hier geht man noch für demokratische Werte auf die Straße und nicht, wie bei uns, gegen eine hochgepuschte Angst vor einer an den Haaren herbeigezogenen Islamisierung des Abendlandes. Die ArgentinierInnen werden uns immer sympathischer.