Als wir heute aufwachten, schien die Sonne. Der Annapurna South (7219m) und der Hiun Chuli (6434m) leuchteten direkt vor unserem Fenster. Es ist der 18. Oktober. Herzlichen Glückwunsch, Vati! Herzlichen Glückwunsch, Oma! Ich grüße euch aus 1640 Metern Höhe und stelle mir vor, wie ihr mir von oben zufrieden zulächelt.
Wir starteten um 8:15 Uhr. Es herrschte schon ein lebhaftes Treiben: Eselskarawanen zogen vorüber, schwer bepackte Händler boten ihre Waren an, erste Touris fragten nach dem Weg. Raju ließ uns wählen, ob wir lieber den längeren Weg, etwa fünf Stunden, oder den kürzeren, steileren, rauf und runter, nehmen wollten. Wir entschieden uns für den gemütlicheren, schöneren mit zwei Pausen. Es ging das, was man in Nepal eine Straße nennt, entlang: unbefestigt zur Talseite, größeres Geröll, Schlaglöcher, Pfützen.
- Der lange Weg
- Blick ins Tal
Zweimal kam tatsächlich ein Jeep vorbei. Man kann sich bis hierher hochfahren lassen, und dann von hier oben zum Poon Hill oder zum Annapurna Base Camp starten. Wir erfuhren, dass das, was wir als Regen erlebt hatten, in den höheren Regionen zu Schneestürmen geführt hatte, zu einer Tragödie mit mehreren Toten. Wir beeilten uns, bei nächster Gelegenheit eine SMS an unsere Familie zu schicken. Selbstverständlich hätten wir uns nicht an die Schneegrenze vorgewagt! Die meiste Zeit wanderten wir schweigend, jeder eigenen Gedanken nachhängend, mal bergauf, mal bergab, an Reis- und Hirsefeldern vorbei. Hier ist gerade Erntezeit. Wir genossen einfach den letzten Tag unserer Trekkingtour. Zweimal versperrten Kinder uns den Weg und sangen ein Lied. Das ist so ähnlich wie bei uns das Rummelpott-Laufen zu Silvester. Sie sammeln Geld für die kommenden Feiertage. Es steht das Bhai-Tika-Fest, besser bekannt als Lichterfest Diwali, vor der Tür, bei dem ältere Schwestern ihre jüngeren Brüder verehren und beschenken. Macho-Land Nepal, ick hör dir trapsen! Es wird fünf Tage lang gefeiert. Festival für alle, immerhin!
- Wegezoll
- Erntezeit
Irgendwann meinte Dieter, er könnte ewig so weiter wandern. Ich auch. Wir waren beide ein wenig traurig, dass es morgen vorbei sein würde. Gegen 15 Uhr kamen wir in einem echten Luxus-Gästehaus an: eigenes Badezimmer. Und eine Aussichtsterrasse: Wahnsinn! Sonnenuntergang im Himalaya. Inzwischen kennen wir sie alle: Annapurna South, Hiun Chuli, Machhapuchre …








