Auf in den Ashram

Auch in Neyyar Dam scheint wieder die Sonne, und man höre und staune: Wir haben heute Morgen religiösen Gesang und Glocken läuten hören. Sunil meinte, das schalle von der unten im Dorf gelegenen Kirche zu uns herauf. Hier in Südindien gibt es anscheinend mehrere, größere und ihren Glauben zelebrierende christliche Gemeinden. Als geborene Christen aber ansonsten atheistisch Gläubige wünschen wir allen unseren offenen und heimlichen Reisebegleitern eine angenehme Adventszeit.

 

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Neyyar Dam im Hill Resort

Heute Morgen war es immer noch feucht, aber der Regen hatte aufgehört. Um uns herum nur Vogelgezwitscher, Grillenzirpen und ein Rauschen vom gegenüberliegenden Wasserfall mit Stausee. Es gab zwei Pfannkuchen zum Frühstück, lecker! Wir haben den ganzen Tag damit zugebracht, auf der Terrasse unserer niedlichen, kleinen Hütte Fotos in unseren Blog zu laden. Um 13 Uhr eine Lunchpause – supergeiles Gemüsecurry -, kurzer Mittagsschlaf, dann eine indische Ganzkörpermassage. Tat ja so gut! Es fing wieder an, in Strömen zu gießen. Es sind dabei natürlich trotzdem immer noch mindestens 28 Grad, also bloß kein Mitleid ;-) Wir dürften dann heute Abend mit unseren Fotos up-to-date sein. Morgen geht es für elf Tage in einen Ashram zum Full-Time-Yoga. Dann melden wir uns wieder.

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Von Mumbai nach Neyyar Dam

Um neun Uhr stand das Taxi bereit für die Fahrt zum Domestic Airport. Um zehn Uhr waren wir dort und erfuhren, dass unser Flug nach Trivandrum zwar nicht gecancelt aber auf 17 Uhr abends verschoben worden war, man hätte uns ja schon Anfang November benachrichtigt. Miste! Das hatten wir übersehen. Jetzt hieß es also sieben Stunden im Flughafen warten. Zeit, unsere Mumbai-Erlebnisse zu verarbeiten und aufzuschreiben. Gegen 17:30 Uhr hoben wir endlich ab, und zwei Stunden später kamen wir heil, jedoch ärgerlicher Weise im Dunkeln, in Trivandrum an. Wir organisierten uns sofort ein Prepaid-Taxi und weiter ging’s durch lebhafte, südindische Dörfer. Was wir sahen, machte einen eher sauberen Eindruck – die Luft war extrem feucht, es hatte den ganzen Tag geregnet. Irgendwann klingelte Dieters Telefon. Es war der Hotelier, dem ich noch in Mumbai unsere verspätete Ankunft mitgeteilt hatte. Er erklärte dem Taxifahrer, wo er uns rauslassen könne. Er würde uns dann mit einem Jeep abholen lassen, da die Straße zu seinem Resort für normale Autos nicht befahrbar sei. Auch das noch! Wir fanden zum Glück gerade noch rechtzeitig einen ATM-Automaten für Bargeld, und Dieter konnte auch sein Handy-Guthaben auffüllen. Dann kam der Jeep, und es ging einen abenteuerlich schmalen Weg durch Pfützen und Schlaglöcher entlang – dass es am Rand steil bergab ging, konnte ich zum Glück nicht sehen – und endlich um halb zehn erreichten wir unser Hill Resort auf 1000 Metern Höhe. Sunil und seine Angestellten nahmen uns freudig in Empfang, zeigten uns die Hütte, wo wir zwei Nächte unterkommen sollten und bereiteten uns trotz der schon fortgeschrittenen Tageszeit ein herrliches Gemüsecurry mit Chapati. Mücken soll es hier trotz des für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Regens kaum geben.

Mumbai Tag 5

Nachdem klar war, dass es mit einer Sightseeing-Tour durch Bollywood-Studios nichts werden würde – wir haben es mit der Online-Bezahlung nicht hinbekommen und im Nachhinein waren wir auch gar nicht traurig drum – hatten wir Zeit, noch einmal zum Nariman Point zu schlendern, wo der “Happy Ending”- Film so kitschig-schön endete. Und wir hatten Zeit, durch so manches teure Einkaufszentrum zu bummeln, das wir beim ersten Spaziergang durch das Viertel hinter schlichten Betonfassaden nicht vermutet und daher glatt übersehen hatten. Es war noch früh am Morgen, man kam nach dem Routine-Sicherheitscheck zwar schon hinein, aber die meisten Geschäfte waren noch geschlossen. Das gab es also auch in Mumbai: mehrstöckige Einkaufszentren mit den feinsten Shops, alle hinter Glas sorgfältig gesichert, wie in Hamburgs Europa-Passage. Die ersten Geschäftsleute öffneten, versuchten uns hineinzulocken: “Good morning Madam, good morning Sir, have a look! Nice shawls!” Klar, hier gab es auch einen Friseur, der mit Sicherheit einen europäischen Haarschnitt für mich hinbekommen hätte, zu einem europäischen Preis, versteht sich, aber das brauchte ich ja nicht mehr. Mein Gott, was waren das für Extreme in dieser Stadt! Auf der einen Seite die vielen Bettler,  jungen Mütter mit ihren Kleinkindern, Schuhputzer und kleinen Händlersgehilfen, die jede Nacht auf den Straßen schliefen, auf der anderen Seite diese Luxuspaläste zum Shoppen. Und dieses Einkaufszentrum hier war noch nicht mal eines für die Superreichen, wie es sie unten beim Nariman Point gab. Dieses hier war wohl eher für Leute wie uns gedacht.

Ein Sightseeing-Highlight stand noch aus: die National Gallery of Modern Art. Hier gab es gerade eine wirklich überwältigend faszinierende Ausstellung zum Thema Akustik: Töne, Musik, Heilung, Instrumente, Weiblichkeit, Göttinnen – mit allem wurde experimentiert und man wurde eingeladen, selbst Hand anzulegen. Es machte total Spaß, mit den Ausstellungsstücken Töne zu erzeugen, eine Kettenreaktion in Gang zu setzen, Lingams zu berühren und dadurch eine Melodie hervorzurufen oder eine indische Göttin einen Dämon besiegen zu sehen, in diesem Fall in Gestalt eines brennenden Mannes. War das die weibliche Rache an den Witwenverbrennungen der Vorzeit? Auch indische Schulklassen waren unterwegs und brachten die Galerie zum Klingen. So manchem Besucher mochte der Geräuschpegel zwar eher als chaotischer Lärm in den Ohren gedröhnt haben, aber sobald man selbst mitmischte, siegte einfach das Vergnügen.

Danach gingen wir in einen Musikladen und deckten uns mit indischen CDs ein, um später auch eine musikalische Erinnerung an unsere Reise zu haben. Auf dem Weg zum Lunchlokal machten wir den unausweichlichen Abstecher zu unserer Lieblings-Saftbar und schlürften einen Ganga-Yamuna, einen Orangen-Mandarinen-Mix, frisch gepresst, einfach nicht zu toppen. Auf den Bombay Duck, ein Eidechsen-Fisch-Gericht in dem auf parsisches Essen spezialisierten Restaurant bei uns um die Ecke mussten wir leider verzichten, war “out”, wir waren zu spät. Nach einer ausgiebigen Mittagsruhe im Hotelzimmer machten wir uns auf zu unserem Sunset-Mumbai-Abschiedsdinner, auf die Rooftop-Terrasse des InterConti. Um kurz vor sechs leuchtete die Sonne dunkelrot am Horizont, wir hatten den allerbesten Blick auf die Skyline von Mumbai und bekamen die besten Plätze mit Aussicht. Es war ein stinknormaler Donnerstag Abend, daher kein Gedrängel in Mumbais angesagtester Poolbar. Am Nachbartisch feierte ein Inder mit Freunden und amerikanischen Frauen Geburtstag. Der Alkohol floss als wäre es Wasser, die Leute, besonders die Frauen, waren schon nach kurzer Zeit betrunken, wurden peinlich laut und entblößten in breitestem amerikanischen Slang Intimes aus ihrem Privatleben, das niemanden interessierte. Wir genossen trotzdem unseren letzten Abend hoch über dem Marine Drive von Mumbai. Wir bestellten einen Sunset-Downer-Cocktail, ‘ne Sangria, Sodas und einen Ziegenkäse-Spinat-Pfannkuchen. Das passte. Ein letzter Abstecher zu unserer Saftbar und dann:Tschüß, Mumbai, du aufstrebende, moderne indische Stadt der großen Extreme! Vergiss nur deine Armen nicht! Morgen würde es für uns weitergehen, nach Südindien.

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Mumbai Tag 4

Heute wollte Dieter unbedingt zum Crawford Markt, einem Must-have-seen von Mumbai. Haben uns für 50 Rupien (etwa 80 Cent) im Taxi dorthin fahren lassen. An der Halle wurden wir gleich von einem Herrn abgefangen, der meinte, dass wir diesen Teil des Markts nur in Begleitung eines Führers betreten dürften. Gelesen hatten wir sowas, eigentlich wollten wir lieber ohne, aber schon waren wir mit ihm drin. Gemüse, Obst, Geflügel, gab es da, Fleisch und Fisch wurden gehackt und verarbeitet, in Käfigen wurden Hundewelpen, Katzen, Papageien zum Kauf angeboten – es roch nach Federvieh und totem Fleisch.


Und dann kamen wir zu den Gewürzen. Noch ehe wir uns versahen, füllte ein eifriger Inder sämtliche Gewürze und Masalas in Schüsseln ab und reichte sie uns zum Riechen. Köstlich! Seine Geschäftstüchtigkeit und die Begeisterung, mit der er uns grünen Curry, indischen Curry, indisches Masala, Zimt, Safran, Pfeffer, Chai, Chai-Gewürzmischung und vieles mehr präsentierte, waren einfach umwerfend, und einmal mehr konnten wir diesem Charme nicht widerstehen. Wir wollten von allem etwas, und vergaßen, nach dem Preis zu fragen. Dabei sind wir doch schon Indien-erfahren! Ein deutsches Pärchen mit ihrem Führer kam zu uns und fragte, was wir denn bezahlen würden, und ob es günstig sei. Dieter versuchte ihnen noch mitzugeben, dass wir natürlich zu teuer eingekauft hätten, aber da wurden wir von unserem Gewürzhändler schon zu einem grandiosen Chai eingeladen – das war allemal drin im Preis. Was soll’s, wir sind und bleiben halt naive, reiche Touris, und die Inder herzlich gute, gewiefte und irgendwie sympathische Geschäftsleute.

Nein, zum Kleider- und Tüchermarkt wollten wir nicht mehr. Wir gaben unserem “Guide” ein paar Rupienscheine, und ab ging’s per Taxi zum händlergeschützten Prince-of-Wales-Museum. Wieder so ein von den Engländern erbauter Prachtpalast. Es gab Steinmetzarbeiten, indisches Kunsthandwerk aus dem 14. Jahrhundert, Alltagsgegenstände der Reichen zu sehen,

aber das Grandioseste kam zum Schluss: eine Ausstellung von in Indien lebenden, ausgestopften Tieren. Von einem großen Vogel mit Nashornschnabel, über Sägerochen, Kobras und Pythons zu einem zweieinhalb Tonnen schweren Riesennashorn und zu guter Letzt zu dem Highlight, das wir im Chitwan-Nationalpark vergeblich gesucht hatten: dem weißen Tiger. Hier bekamen wir ihn endlich in natürlicher Schönheit, wenn auch als ausgestopfte Leiche, zu sehen: absolut beeindruckend!

Den Nachmittag verbrachten wir in unserem angenehm klimatisierten Hotelzimmer, der Blog sollte weiter geschrieben werden, ein Friseurtermin stand an – man hätte mir auch gleich einen Topf auf den Kopf stellen können. Also so ein bisschen mit Rausschneiden war nicht drin, nur zwei Zentimeter kürzen – ich hab’s überstanden und muss mich an meine neue Frisur immer noch gewöhnen.

Dieter hingegen lief sofort gut gestylt mit indischem Einheitsschnitt rum, perfekt rasiert für zwei Tage, Gesichtsmassage inklusive. Er war zufrieden, und ich mochte ihn gern so anschauen. Wir spazierten noch durch die Shoppingmeile von Colaba

und gingen schließlich zum zweiten Mal in dem Fischrestaurant vom ersten Abend essen: Ich bestellte gegrillte Krabben und Dieter gebratene King’s Prawns. War wieder lecker.

 

 

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