Von Agra über Fatehpur Sikri nach Jaipur

Bis auf dass wir es hier in Indien noch nicht geschafft haben, wie geplant, mit unserer Visa Karte zu bezahlen, hat alles prima geklappt. Gegen zehn Uhr stand unser von Deutschland aus organisierter Fuhrunternehmer, Ashoks Taxi Tours, vorm Hotel, und wir warteten zusammen im Frühstücksraum auf seinen Fahrer. Der Herr über inzwischen zwölf Mitarbeiter gab uns kurze Handlungsanweisungen, dass wir bei allen Besichtigungen nicht auf falsche Guides hereinfallen sollten, uns nicht in irgendwelche Emporiums schleppen lassen sollten…Gebont! Seine Kunden stammten meist aus Deutschland, und er hätte dort seinen deutschen Webdesigner sitzen, der ihm für umme seine Homepage gestalte. Er sei ein Hindu-Brahmane, sollte wohl heißen, höchstangesehenen Ursprungs, sollte wohl den Wert seiner Dienstleistungen für uns erhöhen. Auf Nachfrage erzählte er, dass er drei Kinder habe und schon vier Enkelkinder. Nur eine Hochzeit müsse noch arrangiert werden. Nächstes Jahr sei es wohl soweit. Ich habe ihm erzählt, dass unsere Kinder solche Arrangements nicht akzeptieren würden. Er lachte und meinte, hier in Indien sei es aber so. Ajit, sein Fahrer kam. Auf der Kühlerhaube des mindestens acht Jahre alten Tatas, gut sichtbar für alle umstehenden Rikscha-Fahrer und Imbissverkäufer, wurde unsere Anzahlung abgezählt und noch einmal gezählt. Alles stimmte.

Dann bekam Ajit einen Teil und los ging’s.Nach Fatehpur Sikri, Großmogul Akbars einstigem Machtzentrum im 16. Jahrhundert, etwa 40 Kilometer westlich von Agra. Akbar war der, der versuchte, Menschen verschiedener Religionen unter einen Hut zu bringen und als tolerante Geste drei Frauen verschiedenen Glaubens heiratete. Ein indischer “Nathan, der Weise”. Wie Kletten versuchten sich in Fatehpur die Guides und Händler an die Touris zu heften. Wir waren gewarnt und abwehrbereit. Dachte ich. Doch als ein kleiner, gewiefter Zehnjähriger, Raoul, nicht von meiner Seite wich und mir die ganzen Stories von Akbar und den Kachelmustern, und den Haremshäusern, und dem Mausoleum von Sheikh Salim Chrishti sowieso einem Elefantengrab, von dem ich selbst im Reiseführer noch nichts gelesen hatte, in bestem Englisch erzählte, war ich tief beeindruckt und zückte in Gedanken schon meine Rupienscheine. Ich mochte den Kleinen. Das merkte er und führte mich irgendwann zielstrebig zum Verkaufsstand seines Onkels. Ja, ich habe ihm was abgekauft, und obwohl ich nur ein Drittel des zuerst geforderten Preises für den Löcherelefanten bezahlt habe, war das kleine Souvenir 100-prozentig selbst davon weniger als ein Drittel wert! Shame on me! Beim Feilschen bin ich immer noch eine Niete. Hoffentlich hat Raoul wenigstens ein Trinkgeld von seinem Onkel bekommen!

Gegen drei Uhr fragte Ajit uns, ob wir eine Pause machen wollten. Wir wollten nicht, aber er war hungrig. Er warnte uns, dass wir nichts kaufen sollten, weil es für Touris hier äußerst teuer sei, aber wir könnten uns ja ins Auto setzen. Nach dem Genuss einer in der Tat völlig überteuerten Cola warteten wir zehn Minuten auf ihn, was Dieter nicht akzeptieren wollte: das hätte es bei Lal nicht gegeben! Wir wollten vorgeben, wann wir Pause machen, und wir wollten nicht auf ihn warten müssen. Es stellte sich als ein Missverständnis heraus: Der arme Kerl war heute Morgen um vier Uhr aus Delhi gekommen und hatte einfach Hunger. Gut, dass wir mal drüber gesprochen hatten! Etwa 95 Kilometer vor Jaipur entfernt machte Ajit einen Abstecher zum Chand Baori, einem riesigen im 8. Jahrhundert angelegten Wasserbecken, zu dem man über zahllose Steinstufen hinabsteigen konnte. Bei großer Dürre und Hitze kamen die Menschen aus dem Dorf hier im neunten Jahrhundert zusammen, denn unten war es fünf bis sechs Grad kühler als oben. Daneben gab es eine Tempelruine. Einzelne Säulen- und Altarreste daraus – kunstvolle Steinmetzarbeiten – wurden rings um die Anlage herum ausgestellt.

Um halb sechs kamen wir in einem schönen Haveli in Jaipur an. Es war die ganze Zeit auf einer vierspurigen asphaltierten Straße immer geradeaus gegangen. Lal hätte sich gefreut. Und Jaipur ist die erste, richtig moderne, indische Stadt, in der wir sind. Klar, es gibt auch Kühe und Arme, die in Slums und auf der Straße schlafen, aber es gibt eine Menge Geschäfte, die hinter Glas sind und richtige Einkaufszentren. Wir würden auf den ersten Blick nicht erkennen, dass wir uns in Indien befinden. Wir haben uns zum Abendessen von einem Rikscha-Fahrer gleich zu dem vielleicht schönsten Roof-Top-Restaurant der Stadt fahren lassen. Den Tipp hatten wir aus dem Reiseführer. Ein Volltreffer!