Von Varanasi nach Agra

Nach einem leckeren Frühstück hieß es Abschied nehmen von unserer netten, typisch indischen Pension und dem einzigartigen so urindischen Varanasi.

Ein letztes Foto von der Dachterrasse, tschüss zu unserem  Gastwirt – bei uns würde man ihn für den absoluten Loser halten, niemals für einen wohlhabenden Geschäftsmann  mit zwei Gästehäusern direkt am Ganges: Er ist klein und unscheinbar, kaut, wie viele Inder, Bethel, weshalb er ständig rote Spucke im Mund hat – äußerst unästhetisch anzusehen – doch hier ist er der Boss, und alle Angestellten buckeln vor ihm. Wir fanden ihn nach einer kleinen Gewöhnungszeit äußerst freundlich, hilfsbereit und sympathisch. Er hat einen cleveren Manager, der immer zu Späßchen aufgelegt ist, aber gleichzeitig penibel genau über die Zahlen, Geschäfte und Gäste wacht. Und Dabloo, unser Ruderer, verdingte sich auch schon mal als Kellner oder Maler. Arvinds Gästehaus, wo in den unteren Stockwerken indische Familien wohnen, durch deren Wohnzimmer man immer lief, wenn man die Treppe hoch ging, wurde nämlich gerade angestrichen. Allein dadurch hebt es sich von den umstehenden unverputzten, unfertigen oder auch baufälligen oder ständig sich in Aufstockung befindlichen Nachbarshäusern als schönstes ab. Ansonsten wuselten immer noch mindestens fünf andere Mitarbeiter herum, die alle für Arvind als Kofferträger, oder Wegweiser oder Boten oder Reinigungskräfte oder Küchenhilfen  beschäftigt waren. Frauen gab es keine. Um 8:45 Uhr saßen wir im Taxi zum Flughafen. Hoffentlich würden wir nicht zu viel Übergewicht haben! Am Flughafen zeigte die Waage: zusammen 32 kg. Das war im Rahmen, wir brauchten nicht nachzahlen. Der Flug hatte ca. eine Stunde Verspätung.

Trotzdem wartete in Agra der bestellte Taxifahrer auf uns. Agra erschien uns nach einem ersten, oberflächlichen Blick moderner, reicher, auch sauberer, als alles, was wir bisher von Indien gesehen hatten. Mit Ausnahme des Verkehrs.

Auf breiten, asphaltierten Straßen – es gibt mit Sicherheit auch andere – fuhren zahlreiche Touristenbusse. Unsere Pension lag 600 Meter vom Taj Mahal entfernt und war ein krasser Gegensatz zum Varanasi-Gästehaus. Wir wurden gleich aufgeklärt, dass die Besitzerin in Hamburg wohne, und wohl ursprünglich aus Finnland komme. Unser Zimmer entspricht deutschem Standard, nur etwas spezieller im Design, keinesfalls indisch improvisiert: in der Ecke steht ein gemauertes, riesiges Bett mit großer Ablagefläche und mit kleinen grünen Kacheln bestückt, und das Badezimmer hat eine Duschabtrennung, wo endlich das Wasser nicht mehr durch den ganzen Raum läuft. Beim Abendessen im gleichnamigen Maya Hotel gegenüber wimmelte es von Reisegruppen: neben uns eine aus Norddeutschland. Daran müssen wir uns erst wieder gewöhnen.

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