Varanasi Tag 5

Wir standen um halb sechs zur Sonnenaufgangsfahrt auf dem Ganges bereit. Zwei junge Pärchen aus Russland, auch aus unserer Pension, waren dabei. Wieder ruderte Dabloo, der Hausangestellte, der auch schon die Abendfahrt mit uns gemacht hatte. Ich hatte mich nicht warm genug angezogen, vielleicht war es auch einfach etwas zu früh: Ich habe gefroren. Es war mal wieder incredible zu sehen, wie sich Tausende von gläubigen Indern glückselig und fromm in die heiligen Fluten stürzten, sich wuschen, sich Gangeswasser über den Kopf gossen, ein paar Mantren murmelten oder auch sangen – keine der Frauen schien zu frieren trotz der nassen Saris. Von Touristen fotografiert werden nach der “Reinigung”, immer wieder gern und häufig mit einem Lächeln und fröhlichem Winken.

Wir haben uns heute noch einmal jeder eine Stunde lang durchkneten lassen, ich morgens, Dieter abends. Ja, das macht schon ein bisschen süchtig! Gegen elf ließen wir uns in ner Motor-Rikscha zum Museum fahren. Hatte geschlossen. Wieder irgendein Feiertag, oder die Vorbereitung dafür, ein Grund findet sich immer. Dieter wollte es dann noch einmal mit dem “Goldenen Tempel” probieren. Fünf Tage hier in Varanasi gewesen sein, und den nicht gesehen haben, das ging für ihn gar nicht! Wieder per Motor-Rikscha in die Altstadt, bzw. bis dorthin, wo sie fahren dürfen. Und rein ins Gedrängel. Also für Menschen mit klaustrophobischen Zügen ist das hier nichts! Irgendwann standen wir in einer 1,50 Meter breiten Gasse, vor einer Sicherheitsschleuse, sehr viel bewaffnete Polizei, oder Militär war zugegen. Dieter fragte einen Uniformierten, wo denn der Tempel sei, und ob wir da rein dürften. Der meinte ab 18 Uhr für Nicht-Hindus. Wir retteten uns auf die nächstgelegene Dachterrasse zum Lunch. Dieter wollte immer noch nicht aufgeben. Mann, kann der hartnäckig sein! Wieder in die Gassen, wieder zwei, drei Polizisten fragen, dann standen wir vor derselben Tür. Es hieß, wir müssten unsere Mobiltelefone und Kameras abgeben, in Schließfächern aufbewahren, dann dürften wir durch die Sicherheitsschleuse. Ich fühlte mich plötzlich trotz Massage am Morgen doch wieder äußerst unwohl. Diese Menschenmassen, diese für uns so unverständliche Religiosität, und dann gleich hinter dem Hindu-Tempel zwei Moscheen – da braucht nur mal jemand auszuflippen… Dieter wollte da rein. Was sollte ich machen? Wir warteten geduldig auf das Zeichen des Sicherheitsbeamten. Ab durch den Scanner, Bodycheck, dann waren wir drin. Um uns herum wurde ein klein wenig weniger gedrängelt. Lauter Devotionaliengeschäfte, ein Tempeleingang mit bewaffnetem Posten: “Sorry Sir! I think you are not allowed!” Wir gingen zum nächsten Eingang, zum Annapurna-Tempel. Annapurna, auch so ‘ne Hindu-Göttin, da waren wir doch auf Trekkingtour! Na also, wir durften rein. Noch immer hatten wir keine goldenen Türme gesehen. Wir fragten einen Verkäufer, und er ließ uns in seinen Laden. Tatsächlich, da waren sie! Wir konnten über die Mauer hinweg die goldenen Türme des Vishwanatha-Tempels erblicken. Dieter war entzückt und ich erleichtert. Zurück ins Hotel, Dieter bekam seine Massage.

Veröffentlicht unter Indien

Varanasi Tag 4

Wau, das tat gut! Eine Stunde Massage von dem kleinen Inder, Herrn Ashok, am Morgen. Es ging mir blendend. Dieter wollte lieber abends. Nach dem Frühstück sind wir noch einmal die Ghats runtergelaufen, über das Dashaswamedh Ghat hinaus, weiter den Ganges abwärts.


Am Manikarnika Ghat sind wir dann mal in die Altstadt. Irgendwo sollte sich da Varanasis bedeutendster Tempel verstecken, dessen Türme aus purem Gold sein sollen. Wir haben ihn nicht gefunden. Aber das Laufen in der Altstadt hatte auch ohne den Vishwanatha-Tempel seinen Reiz, wenn man denn das Laufen in höchstens zwei Meter breiten Gassen, umrahmt von Geschäften, immer im Gewimmel von Tausenden von Menschen, Kühen, Hunden, Leichenträgern, – auch hier drängten sich hin und wieder vereinzelt Motorräder durch – als reizvoll empfinden kann. Massagegestärkt machte es mir heute tatsächlich nichts aus.


Zur Mittagszeit fanden wir eine neue Roof-Top-Terrasse, wo wir wie bisher immer ein super-leckeres Paneer verspeisten – also kochen können die Inder! Und ich liebe das indische Chapati, Hmm!

Abends bekam Dieter seine Massage. Wir sind früh schlafen gegangen, weil wir am nächsten Morgen um halb sechs zur Ganga-Morgen-Fahrt fertig sein wollten.

Veröffentlicht unter Indien