Buenos Aires Tag 8

Vor genau einer Woche sind wir angekommen. Inzwischen haben wir das Gefühl, dass wir uns auskennen, ein bisschen zumindest. Im Zentrum der Stadt, wo ja gerade mal drei der insgesamt 13 Millionen Einwohner von Buenos Aires leben. Es ging mir heute endlich besser, ich hatte wieder mehr Energie. Wir haben uns noch einmal nach Puerto Madero aufgemacht, haben uns Fahrräder gemietet und sind in das Naturschutzgebiet und zum Río de la Plata gefahren. Das war total schön. Alle Porteños, die übers Wochenende und über die zwei zusätzlichen Feiertage nicht weiter rausfahren können, so schien es, suchten dieses Naherholungsgebiet auf, um am Strand zu liegen, zu picknicken oder Sport zu treiben – baden war leider verboten. Das Wasser sei vergiftet und so verunreinigt, dass man sich schnell eine Verletzung holen könne, so ungefähr hieß es auf dem Schild. Aber ehrlich gesagt lud die braune Brühe ohnehin nicht zum Baden ein. Wir machten das, was alle taten: wir sonnten uns.

Auf der Rückfahrt sahen wir durch wunderbar grüne Bäume und geschützte Pflanzen hindurch, hinter einem Liebespärchen schwarzen, giftigen Rauch aus einem Schornstein aufsteigen und auf der anderen Seite, romantisch durch Gräser verdeckt, kam die Hochhausskyline von Puerto Madero zum Vorschein. Irgendwie bizarr. Wir gaben die Räder ab. Zehn Minuten später als vereinbart, sofort mussten wir draufzahlen! Dabei waren die Fahrräder verrostet, schmutzig und nicht ordentlich aufgepumpt: schrottreif. Für zwei Stunden hatten wir acht Euro pro Rad hinlegen müssen! Ganz schön dreist! Aber dann gab es frisch gepressten Orangensaft und ein Bife Hamburger. Sehr lecker, und die Welt war wieder in Ordnung. Nachdem der Bus nicht kam, mit dem wir zum Museum für moderne Kunst fahren wollten, sind wir durch San Telmo geschlendert. Es war ja Sonntag, also Touristenmarkt, mit Tango an jeder Ecke. Diesmal hielten wir uns lieber etwas abseits, in den kleinen parallelen Seitengassen, wo wir sofort ein neues, unverwechselbares und immer wieder einzigartiges Café entdeckten.

Die Bar- und Caféhausszene in Buenos Aires ist unendlich vielfältig, verführerisch und charmant! Abends hatten wir uns doch noch Tickets für eine Tango-Show in unserem Frühstückslokal gegenüber besorgt. Um acht standen wir gestylt und gespannt am Eingang und wurden sogleich an unseren Tisch geführt. Meine Güte, wie sich unser Frühstücksraum verändert hatte! Wo morgens der Eingang war, war nun eine versenkbare Bühne einen Meter hochgefahren worden, der lange Büffettisch war zum Laufsteg geworden. Von der Decke wurden an vier Seiten Leinwände heruntergerollt, und unser Essen wurde uns auf silbernen Tellern serviert. Eine Flasche Rotwein inklusive, versteht sich. Alles war perfekt und professionell.
Erst jetzt wurde uns so richtig bewusst, was für eine besondere Location dieses Tangohaus aus dem Jahre 1920 war. Und weil gestern der Karneval angefangen hatte, bekam auch noch jeder eine Maske geschenkt, und vor den Tischen posierten vier junge Paare in original-venezianischen Kostümen und forderten uns zu Fotosessions mit ihnen auf.

Auch ein Harlekin war zugegen. Während des zweistündigen Dinners wurde Verdi mit Live-Gesang geboten, die zwei Solostimmen waren gar nicht mal schlecht (die Thespisnarren hätten es allerdings besser gemacht! Warum sind wir eigentlich nie hier in B.A. aufgetreten?!).

Der erste Gang des Menüs war ein exzellenter Meeresfrüchte-Cocktail. Es folgte – natürlich – ein argentinisches Steak und als Nachtisch ein Trifflé.

Erst nach dem Karnevalsdinner fing dann die Tangoshow an, die auch ohne Essen gebucht werden konnte. Die Show wurde ähnlich präsentiert, wie man es aus dem Hamburger Hansatheater kennt: auf den Leinwänden wurde zunächst ein kleiner Einführungsfilm zur Geschichte des Tangos abgespielt. Dann folgte, vier Tango-Stilen und -Epochen entsprechend, von “el Arrabal”, über “el Cabaret”, zu “la Milonga” und dem “Modernismo” Tanztheater im Tangoschritt vom Feinsten.

Dazu vier grandiose Musiker und zwei Gesangssolisten. Stilvoller hätte unser letzter Abend in Buenos Aires nicht zu Ende gehen können.